17.06.2022

Softwareentwicklung für Nicht-Entwickler:innen. Ein Wörterbuch.

"Softwareentwicklung für Nicht-Entwickler:innen". Ein Wörterbuch.

Als Softwaredienstleister liegt unser Hauptaugenmerk natürlich auf der Qualität unserer Software. Damit so ein Produkt aber erfolgreich entwickelt werden kann, sind nicht nur die Entwickler:innen gefragt.

Kolleginnen und Kollegen im Backoffice, Personal und Marketing wissen Bescheid: ob Kundenakquise, Erstellung von Rechnungen und Angeboten, Bewerbungsgespräche, Personalgespräche, Organisation von Veranstaltungen, Kostenvergleich von Lizenzen oder Präsenz auf Social Media usw. - kurz: Damit die Entwickler:innen in Ruhe arbeiten können und vor allem auch langfristig genug zu tun haben, fällt jede Menge Arbeit an.

Und was natürlich ganz wichtig ist: erfolgreiche Kommunikation zwischen allen Beteiligten, ob nun Entwickler:innen oder nicht. Nun ist es aber so, dass Entwickler:innen in ihrem Arbeitsalltag seeeeeehr viele Fachbegriffe und Abbreviationen verwenden. Für alle anderen mag diese „Geheimsprache“ manchmal ein wenig rätselhaft klingen und es fällt oft schwer, sich vorzustellen, was denn bitte jetzt gerade eigentlich gemeint ist…

Du sitzt also in der Mittagspause und verstehst nur Bahnhof, wenn die Kolleg:innen sich über ihre aktuellen Projekte austauschen? Dann findest du hier eine kleine Zusammenfassung, was die ganzen durch den Raum fliegenden Begriffe eigentlich bedeuten!

BegriffBedeutungBeispiel
Array (A-räi)Stell dir vor, du hast ein Regalbrett voller Bücher. Es sind dicke und dünne Bücher, alte und neue Bücher, bunte und schwarz-weiße Bücher... aber es sind NUR Bücher. Diese Bücher haben alle den Datentyp „Buch“ und stehen alle auf dem Regalbrett „Array“ von einem großen schwedischen Möbelhaus. Sie werden dort aufgehoben, also „gespeichert“. Auf dem Regalbrett daneben, auch ein „Array“, stehen vielleicht kleine Figuren aus Plastik: Batman, Wonderwoman, Sailormoon, Hulk… die haben dann den Datentyp „Actionfiguren“. Alles klar? Abstauben nicht vergessen!„Pack das doch einfach in ein Array und lass dir das da ausgeben“
Branch, Commit, Pushen, Pullen, Merge Request (Braansch, Kommit, Puschen, Pullen, Mördsch Rikwest)Um mal bei dem Vergleich mit den Ordnern (siehe -> Repository) zu bleiben: Du möchtest Änderungen am Projektordner machen. Also machst du dir eine Kopie von dem Hauptordner - das ist jetzt dein eigener „Branch“. Du nimmst dir die Seiten raus, die du ändern willst. Du passt einiges an, streichst Text raus, fügst woanders Bilder hinzu, markierst zwei drei Abschnitte… dann heftest du die Seiten wieder in deinen Ordner. Du hast einen Commit gemacht. Jetzt willst du deinen Ordner, also deinen Branch, in den Schrank stellen, damit auch deine Kollegin Miriam daran arbeiten kann. Gesagt, getan, du pusht deinen Branch (Ordner) in den Schrank. Der Hauptordner in der linken oberen Ecke bleibt die ganze Zeit unverändert! Wenn deine Kollegin Miriam mit ihren Änderungen durch ist, geht ihr zu eurer Chefin Christina mit der Bitte, die Änderungen in den Hauptordner links oben in der Ecke zu übernehmen. Ihr macht also einen Merge Request. Sobald Christina ihr OK gegeben hat, werden die von euch geänderten Seiten in den Hauptordner geheftet; euer Merge Request wurde gemerged!„Ich push das mal gleich, dann sieht man das auch direkt.“ „Pull dir mal den aktuellen.“„Review mal zwischendurch meinen MR, damit das gleich live gehen kann.“
CI/CD (Development)Jetzt wirds technisch. „Kleinvieh macht auch Mist“, sagt man so schön. Die Entwickler:innen haben natürlich richtig viele der Schritte, die notwendig sind, damit aus Code funktionierende Software wird, automatisiert. Von den Codeänderungen in der ->IDE, über automatisierte Builds, Pipelines und Tests… für Nicht-Entwickler ist es nur wichtig zu wissen: es muss laufen. Sonst sinkt die Stimmung in Untiefen, aus denen nicht mal frisch gebrühter Qualitätskaffee noch helfen kann.„Die Pipeline kackt schon wieder ab.“ (1)
CI/CD (Gestaltung) (Si- Ai-Si-Di)Das kommt dir bestimmt bekannt vor! Falls hier ein*e Entwickler*in mitliest: CI/CD in der Gestaltung bedeutet „Corporate Identity/Corporate Design“ und beschreibt das visuelle Erscheinungsbild eines Unternehmens nach außen. Also nicht mit was das Gebäude des Unternehmenssitzes verputzt ist, sondern mit welchen Farben, Schriften und Gestaltungselementen sich das Unternehmen präsentiert.„Ach, falls du nachher die Präsi machst: Das PDF zu unserem Corporate Design liegt aufm Server.“
DatenbankIm Büro von deinem Chef steht ein grooooooßer und stabiler Tresor voller wertvoller kleiner Pakete, die so gut eingepackt sind, sodass man von außen nicht sehen kann, was drin ist. Bloß, dass der Tresor eigentlich ein großer Computer ist und die Pakete gar nicht voller verschiedener Schokoladensorten in buntem Geschenkpapier sind, sondern einfach nur Zahlen und Buchstaben enthalten. Wie schade.„Ja, das ist irgendwie ein Fehler in der Datenbank.“
Framework (Fräim-wörk)Du wirst es nicht glauben, aber wir haben wirklich mit mindestens fünf Kolleginnen und Kollegen diskutiert, um verständliche Erklärung für dieses Wort herauszufinden. Letztendlich haben wir uns auf den Vergleich mit einer großen Kiste voller Klemmbausteine geeinigt. Es gibt einige Grundplatten und die unterschiedlichsten Steine in verschiedenen Farben und Formen, die du beliebig auf den Platten platzieren kannst. Tob dich aus und baue das größte und beste Klemmbausteinmodell, dass du dir vorstellen kannst! Das Framework, also die Bausteinkiste, gibt dir grob einen Rahmen vor - es wird eben kein Holzklotzmodell.„Neee also ich versteh gar nicht, wieso irgendjemand DIESES Framework noch nutzt. Spätestens nächstes Jahr ist das überholt.“
FunktionImmer, wenn deine Chefin „Bitte mach mal…“ murmelt und dabei wild wedelnd in die vage Richtung deines Computers zeigt, weißt du natürlich genau, was zu tun ist, weil sie es dir zu deiner Einarbeitung vor 2 Jahren mal erklärt hat und du seitdem schon mindestens hunderttausend Mails gelesen und sortiert hast. Du überprüfst Rechnungen, leitest Bewerbungen an die Personalerin weiter, löschst Spam und schmunzelst über den einen Kollegen, der aus Versehen die ganze Firma in CC gesetzt hat. Deine Chefin ist begeistert: Wenn du dich drum kümmerst, funktioniert das mit den Mails einfach wunderbar. Genau das macht eine Funktion: Es ist eine Liste von Anweisungen, die durch einen bestimmten Befehl (z.B. „Bitte mach mal…“) immer wieder aufgerufen werden kann.„Was genau macht die Funktion…?“
Git (Git, nit „Jit“ oder „Dschit“)Guck mal bei „Repository“. Das Git ist eine ganze Stadt voller Gebäude voller Räume voller Schränke voller Ordner voller Seiten, Diagrammen, Kalendern, Teilnehmerlisten, tief Luft hol Bildern, Plänen, bunten Klebezetteln….„Guck mal ins Git!“ (1)
IDE (Integrated Development Environment) (Ai-Di-Ih)Wenn es jemanden gibt, der darin gut ist, sich fancy Begriffe auszudenken, dann sind das Entwickler:innen. Warum „Code-Bearbeitungsprogramm“ sagen, wenn „IDE“ viel kürzer, knackiger und cooler klingt?„Jaaa haha das liegt bestiiiimmmt an der IDE (sachmal kannst du die 3572000 Shortcuts immer noch nicht alle, wie lange machst du den Job jetzt schon?!)
Issue (I-schju)Ein bunter Klebezettel? Ganz viele bunte Klebezettel! Die sorgen für Ordnung und du weißt immer, was grad wichtig und zu tun ist.„Guck mal ans Issue, ich hab da einen Kommentar geschrieben.“
Pipeline (Paip-Lain)Hier sind wir wieder bei der Automatisierung - wie bei einem Fließband werden verschiedene Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge nacheinander ausgeführt. Die Pipeline wird gestartet, der erste Roboter legt einen Tortenboden auf das Fließband, der zweite belegt ihn mit Erdbeeren und streicht Sahne obendrauf, der dritte legt noch einen Tortenboden drauf, der vierte begießt die Kreation mit Ganache und legt sie auf den Servierteller. Tadaa! Fertig ist die Torte. Guten Appetit! Wenn jetzt irgendwo etwas schief geht, sei es, die Sahne ist nicht richtig geschlagen, die Erdbeeren sind schon matschig, der Tortenboden bricht auseinander… dann muss die ganze Pipeline von vorne gestartet werden.„Die Pipeline kackt schon wieder ab.“ (2)
ProgrammierspracheUm dem Computer verständlich zu machen, was wir von ihm wollen, müssen wir eine Sprache reden, die er versteht. Es gibt Sprachen, die man nur mit mehr Technikverständnis schreiben kann, welche mit mehr "normalen Wörtern", eigene Sprachfamilien, Dialekte und verschiedene Anwendungsbereiche. Welche Programmiersprache du kennen solltest, hängt davon ab, was für Software du entwickeln möchtest und was in deinem Unternehmen oft verwendet wird. Sehr wichtig dabei ist, dass auch du die Sprache, in der du schreibst, gut verstehst!„Mit was programmierst du so? Ich kann halt echt nur JavaScript, TypeScript, Java, C++, C#, Rust, bisschen Python und ich hab mal was mit PHP gemacht, aber das ist schon ewig her….“
Repository (RiPOsitori)Du hast einen unendlichen Ordnerschrank. Immer, wenn sich etwas am Projekt ändert (weil jemand einen -> Merge Request merged), wird der Hauptordner (main -> Branch) geändert, und der steht immer in der linken oberen Ecke. Du musst doch noch mal gucken, was auf der 12. Seite im 3.Kapitel das vor 5 Wochen abgeheftet wurde, steht? Kein Problem! Alle Ordner sind eindeutig beschriftet. Und am Schrank hängt auch noch ein hübsches Diagramm mit vielen bunten Linien, das anzeigt, wann welcher Ordner hinzugekommen ist (und warum die Kollegen Anne und Max sich gegen grünen Textmarker entschieden haben und doch lieber gelb nehmen). Praktisch, nicht wahr?„Guck mal ins Git!“ (2)
Scheduler (SkÄDjula)In der Anwendung, die entwickelt wird, steht irgendwo ein kleines Haus. In diesem Haus arbeitet als Bürokraft ein kleiner Wichtel mit einem großen und komplexen Kalender. Dieser Wichtel hängt quasi den ganzen Tag nur am Telefon. Er plant die Ausführung von Prozessen und stößt diese genau zum richtigen Zeitpunkt an. Manche Aufgaben muss er jeden Tag erledigen, manchmal kommt was furchtbar Dringendes dazwischen und er soll mal einen Prozess vorziehen. Wenn der Scheduler-Wichtel mal einen Spaziergang an der frischen Luft macht und nicht an seinem Schreibtisch sitzt, geht ziemlich viel ziemlich schief.
VariableDas ist quasi eine Enkelin vom Wort „Dingsi“. Dieses Dingsi (die Variable) kann alles sein. Du redest über „Array“-Bücherregal? „Auf dem Dingsi liegt das Buch…“ Paket voller Schokolade? „Die Dingsis liegt auf dem Tisch.“ Variablen sind schöne Platzhalter für alles, was du damit bedingsen.. äh beschreiben willst.„Das ist ne Variable, das ist richtig.“

Ich hoffe, dieses kleine Wörterbuch hat dir geholfen. Wenn du noch mehr Fragen hast, trau dich ruhig, einfach mal bei deinen Kolleginnen und Kollegen nachzuhaken! Vielleicht findet ihr noch mehr Wörter, die dir unklar waren und für die ihr euch gemeinsam eine verständliche (und lustige) Erklärung erarbeiten könnt.

Valerie

Scrum Master

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